Andreas Kurz - Bild und Text


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Einige sinnfreie Bilder und ihre Geschichte

Beifang

Familiäre Szene von 1961

Das gemeinsam erlebte Abendessen zu fester Stunde ohne mediale Ablenkung formte sowohl den einzelnen als auch die Gemeinschaft vorteilhaft. Die dargebotene Produktvielfalt war selbst für ein Kind noch nicht zu verwirrend. Ein Käse in der Wachsrinde, eine Wurst im Teller, dazu Bauernbrot und Flaschenbier im Glas für die Eltern.

Aufmerksam richten sich alle Blicke zum Fotografen, einzig "Schecki", die Hauskatze, das Köpfchen gesenkt an meiner rechten Seite, wollte aus diesem nichtigen Anlass die Nahrungsaufnahme nicht unterbrechen. Hübsch auch die sich selbst verändernde Wanddekoration aus 100 Prozent biologisch-dynamischem Efeu.

Der Ernst des Lebens

Dass Geschenke nicht immer in selbstloser Weise übergeben werden, merkt das Kind spätestens bei der Einschulung. Eine übersichtlich gefüllte Tüte soll auf dreizehn oder mehr Jahre straff durchorganisierter Vormittage vorbereiten, was kaum gelingen kann. Verstörend wirkt sich dazu die Vorliebe von Erwachsenen aus, selbst völlig unbekannte Kinder mit ins Bild zu bitten und sie obendrein zu einem heiteren Lächeln aufzufordern.

Interessant auch der von meinem Vater in handwerklich routinierter Weise an mir durchgeführte Haarschnitt, der gerade heute wieder z.B. bei U.S. Marines sich größter Beliebtheit erfreut. Allerdings ohne die Ecke über der rechten Schläfe, eine persönliche Note meines Vaters, die seiner Kreativität und meiner Abneigung still zu sitzen, geschuldet war.

(Foto vom September 1964, wenigstens Wettermäßig ein heiterer Tag)

Jugend und Freizeit im Wandel der Zeit

Ja, das bin ich. Nein, es ist kein Fake, ich fahre den Wagen wirklich. Neben mir sitzt ein Pudel, er hieß "Susi". Er fuhr besser mit, obwohl ihm schnell schlecht wurde und er oft gekotzt hat. Aber so konnte ich ihn nicht überfahren. Das Auto, eine Borgward Arabella deLuxe in rot mit weißem Dach, gehörte meiner Großmutter. Sie ließ mich auf ihrem Grundstück fahren, wann immer ich wollte und fand es lustig. Auf dem Bild bin ich elf. Mein Vater lernte mir mit Acht Autofahren. Man beachte auch bitte die Schottenkaro-Schonbezüge, ohne die dieser Wagen wahrlich nackt gewesen wäre.

Ab in den Süden!

Das Vorzeigen des Lieblingskuscheltiers namens "Hasi" vor der Abfahrt in den sonnigen Süden, sollte das Schicksal gnädig stimmen in Zeiten kindersitzfreier und gurtloser Automobile. Diese Fahrt nach Jesolo bei Venedig verlief nicht zuletzt durch die Wahl eines bewährten Fahrzeugtyps störungsfrei, wenngleich die Qualität der Koffer nach einem erfrischenden Gewitterguß auf der Passhöhe des Brenner nicht ganz zu überzeugen wusste.

Unser Ziel war übrigens der "NSU-Lido Cavallino", der meines Wissens nach heute noch größte europäische Campingplatz mit seinen legendären Platzregeln, deren Einhaltung man besser peinlichst genau beachtete, denn unvergessen sind mir noch heute die Lautsprecherdurchsagen, in denen z.B. verkündet wurde, dass "jene Familie X., deren Kind am Strand Flaschen zerbrach, soeben die Anlage verlassen hat".

(Foto von 1965)

Pre-Nintendo

Erst durch Spielen lernt das Kind, seine Umwelt zu begreifen. Hier im malerisch abgeschiedenen Ort Taisten in Südtirol versuche ich mit geringen Mitteln den Stau vor dem Grenzübergang zu Italien nachzubilden, was nur ansatzweise gelingen konnte. Die Kombination des kindlichen Spiels mit der Schönheit des Bergpanoramas setzte unterbewusst positive Impulse. Der VW-Käfer mit dem Ersatzrad auf dem Dach (am äußersten rechten Bildrand schemenhaft zu erahnen) zählt noch heute zu meinem Besitz, während die anderen Fahrzeuge qualitativ nur für eine kurze Spieldauer ausgelegt waren.

(Foto von 1966)

Unabhängig mit 25 km/h

Das Zündapp Automatic Mofa, hier leider unter dem Zubehör nur undeutlich erkennbar, kostete 888,-DM, die ich mir mit der pünktlichen Auslieferung der Fernsehzeitschrift GONG verdiente. Ein anderer Vergaser verhalf zu besserer Beschleunigung, die Aufschrift TUNING an den Flanken stellte sich bei einer Polizeikontrolle als weniger hilfreich heraus.

(Foto von 1974)

Die Welt im innersten Kern

Der gemeinsame Besuch eines Salzbergwerks konnte weder meinen Vater (rechts oben) noch mich (davor) überzeugen, die eigene Karriere in Zukunft unter Tage zu suchen. Interessant auch die österreichische Eigenart, den Monat nicht eindeutig zu benennen, sondern Raum für eigene Interpretationen zu schaffen. Die hier versammelte Gruppe hat sich meines Wissens nach so nie wieder getroffen.

Zu Zeiten, als jedes geschossene Foto noch kostete, sei es für Film, Entwicklung, Abzug oder Rahmung, war dieses Motiv ein echtes Wagnis.

"Wolkengezupf"
Lichtempfindliche Emulsion auf durchsichtigem Kunststoff
vom Künstler hart gerahmt
frühe 90ger Jahre

Der ruhige Blick durch ein Fenster hat mich zeitlebens fasziniert, vor allem wenn dieses Fenster auf eine Straße zeigte, von Scheibenwischern bei Bedarf gereinigt wurde, und ich die Richtung eigenhändig bestimmen durfte. Das Armaturenbrett dieses frühen Volkswagens zeigt die ruhige Askese der Konzentration auf die wenigen, wirklich wichtigen Dinge beim Autofahren, als da wären Geschwindigkeitsanzeiger oder frische Schnittblumen in einer Vase.

(Foto von 1985, VW von 1953, ja, der mit der geteilten Heckscheibe)

Men in Black

Der dunkle Anzug kleidet Herren jeden Alters angemessen und verleiht Würde. Der Versuch, damit in die Rateshow von Jörg Pilawa zu kommen, scheiterte in der zweiten Castingrunde.


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